Presseauszug – FREISTL
das erste Kabarettsolo von Viktor Gernot:
TANZ, HERR MINISTER!
Kabarettist Viktor Gernot brillierte am Dienstag in der umjubelten Premiere
seines neuen Solostücks „Freistil" im Wiener Orpheum als
Alleskönner.
Wie soll man Flatulenz in Worte fassen, wenn man wie Viktor Gernot
aus tiefer Scham die Sache nicht beim Namen nennen will, sondern unbedingt
umschreiben muss? In Österreich sind unzählige Möglichkeiten
bekannt. Zum Beispiel „einen Koffer abstellen", „der
Herr der Winde sein" oder, wie Viktor Gernot verrät, „den
Specht anklopfen lassen". „Der Schas" hat aber im ersten
Soloprogramm von Viktor Gernot nur eine thematische Gastrolle. Ansonst
brennt bei ihm etwas anderes ab. Ein Feuerwerk an herrlichen Pointen.
Man kennt Viktor Gernot als „Hektiker"-Viertel, als „Wodka
Orange"-Hälfte und Mitglied der „Kranken Schwestern".
Man kennt ihn als TV-Moderator für „Alles TV", die „Romy
Gala 1999", die „Topspot-Gala". Man kennt ihn als Conferencier
im Kabarett Simpl. Und man kennt ihn als Musicalbariton mit sicherer
Tiefe und rudimentärem Tanzverständnis. Etwas vergessen?
Ja. Der Mann sagt auch den schnellsten Verkehrsfunk und noch vieles andere
im Hörfunk an. Warum diese - zugegebenermaßen lückenhafte
- Aufzählung? Viktor Gernot ist ein erschreckend vielseitiger
Künstler, so vielseitig, dass der Musicaldarsteller, Schauspieler,
Sänger, Kabarettist, Interviewer, Fernsehmoderator, Gitarrist seine
Talente für „Freistil" - um es wie Otto Baric auszudrücken – endlich
maximal gebündelt hat. Der rote Faden des wunderbaren Programms:
Ein Enddreißiger erlebt den nahtlosen Übergang von der Pubertät
zur Midlife-Crisis. Und da sind wirklich viele Dinge beim Namen zu
nennen.
Warum er ein Anonymer Melancholiker ist? Warum die Anwesenheit
des Mannes bei einer Geburt die Rache der Frauen an den Zeugungsgehilfen
ist? Warum der American Way of Life auch für einen, der auf amerikanische
Musik, Filme, Lebensart steht, schrecklich ist? Warum Viktor
Gernot nach tausenden Vorstellungen der großen Liebe Musical
ade sagen möchte? Warum er bei Frauen so enorm gepunktet hat.
(Jetzt ist er verheiratet.) Dazwischen eingestreut begeistert
er im Doppel mit sich selbst. Man erlebt wahnwitzige Interviews live und
auf Plasmabildschirm mit populären Gesprächspartnern wie Peter
Alexander, Thomas Klestil, Otto Schenk und Karl-Heinz Grasser. Letzteren
lässt er im Sitzen orientalisch tanzen, dass einem dabei die
Tränen in die Augen schießen. So würden viele den
Finanzminister gerne öfter sehen. Die vielfältige Performance
von Viktor Gernot lässt „Freistil" zu einem wahren
Vergnügen werden. Wer ins Kabarett geht, um vor allem zu lachen
und weniger um seinen zweiten Bildungsweg nachzuholen, dem sei dieses köstliche
Programm wärmstens ans Herz gelegt.
Salzburger Nachrichten, 02.10.2003. ALEXIS WIKLUND
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Unter dem Damenkloschwert
Viktor Gernot mit seinem ersten Soloprogramm „Freistil“
…
Am besten ist Viktor Gernot als Stimmenimitator und Parodist. Schließt
man die Augen, glaubt man einen umständlichen Otto Schenk dozieren
zu hören. Macht man sie wieder auf, wirft er gerade als Thomas Klestil „in
großer Besorgnis“ seinen Kopf im Nacken hin und her oder wippt
als Karlheinz Grasser neoliberal zu Austropop-Klängen („Es
ist meins, Koarlheinz, net deins“)...
...Gernots erstes Soloprogramm „Freistil“ handelt vom alternden
Selbst, der Krise des Musicals oder den Erfahrungen beim Bundesheer. Zu
einem sprachlichen Höhepunkt läuft er als Herbert Prohaska auf,
der über seinen Kopf das „Damenkloschwert“ hängen
sieht; zu einem musikalischen als Rainhard Fendrich („Weilst a Herz
hast UND a Bergwerk)… KURIER, 02.10.2003. Alexandra Seibel
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Felix aus der Asche
Wien - Die "Midlifecrisis" schmilzt im Mund eines herangewachsenen
Kabarettisten wie automatisch zur "Lebensmittelkrise". Da führt
kein Weg vorbei. ...Viktor Gernot, aus einer böhmisch-mühlviertlerischen
Familie stammendes, nunmehr 38-jähriges Mitglied der "Hektiker",
hat anlässlich der seinigen (Krise) ein erstes Soloprogramm - die
Premiere fand im Orpheum statt - entwickelt. Freistil lebt aber insgesamt
mehr von den nachweislich gelernten Bühnenfertigkeiten des einstigen
Musicaldarstellers als von den gereichten Einfällen...
...Ein Sinnseminar im griechischen Bergkloster ließ dem frisch
verheirateten Mann einige Fragen ungeklärt, die dieser via "Satelliteninterview" (!)
ausgerechnet an folgende Personen des öffentlichen Lebens richtet:
Otto Schenk ("Dezenz ist Schwäche"), Thomas Klestil ("mit
großer Besorgnis"), Karl-Heinz Grasser und Peter Alexander -
allesamt von ihm verkörpert...
...Ohne Konsonanten. Höhepunkte liegen bei Gernot in der Form: Als
Sprachpolizist umkreist er gierig das Feld der österreichischen Konsonantenverweigerung
und folgt dabei genau einer Spur der Ungenauigkeit ("Damenkloschwert", "Felix
aus der Asche") oder pervertiert das im österreichischen Radio übermäßig
eingesetzte Zungenspitzen-R. Bemerkenswert ist außerdem die André-Heller-Imitation
("Ja, die Subvention, die ich nicht abstaub', gibt es nicht")...
Der Standard, 03.10.2003. Margarete Affenzeller.
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Programm & Beruf(ung):
Viktor Gernots Freistil
Was dem vielseitigen Künstler bis jetzt fehlte, waren ein Soloprogramm
und die passende Berufsbezeichnung. Mit "Freistil" ist ihm beides
gelungen.
Mit sich selbst alt werden ...
Statistik und Zeit arbeiten gegen Viktor Gernot, sie besagen nämlich,
dass er sich bereits in seiner 2. Lebenshälfte befindet. Diese Tatsache,
gepaart mit der Erkenntnis, dass Altern an sich keine Leistung ist, versetzt
den Enddreißiger nicht gerade in Hochstimmung. Doch Viktor Gernot
arbeitet an sich mit dem Ziel, sagen zu können: "Okay, Du bist
der Typ, mit dem ich alt werden will!"
Zu alt!
Es gibt Orte, die sind das genaue Gegenteil des Jungbrunnen. Wo man beispielsweise
in wenigen Monaten um ganze Jahre altern kann, ist beim Bundesheer, das
man als Endprodukt "frustrierter, deprimierter, dicker Mann" verlässt.
Das Prädikat "zu alt!" hat allerdings auch gute Seiten,
beispielsweise als Gefreiter im Ruhestand, zu denen sich Viktor Gernot
zählen kann. Außerdem ist er fürs Fernsehen zu alt, "sowohl
als Konsument, als auch als Produkt". Überhaupt, wenn sich Viktor
Gernot selbst am Bildschirm sehen würde, würde er über
sich selbst drüberzappen. Vielleicht ist dies der Fall, weil die
zum humoristischen Traktieren freigegebenen Themen "Tiere und Straßenverkehr" für
Viktor Gernots Freistil dann einfach doch zu einschränkend waren.
Ex-Amerika-Fan
Nicht zu alt, aber verständnislos ist Viktor Gernot gegenüber
Halloween, dem "Kinderverkleidungsfestl mit Gruselfaktor", obwohl
er gewisse Parallelen zu den Sternsingern feststellen kann und eingestehen
muss "Kein noch so übler Halloweenscherz macht mir mehr Angst." Es
folgt eine äußerst gelungene Passage über das fragwürdigerweise
Gelobte Land, in der sich Gernot fast kollerisch über die Vergewaltigung "UNSERES
Nikolaus" zum Santa Claus erbost und ironisch fassungslos mit Anspielung
auf Arnie fragt "Ivica Vastic als Wiener Bürgermeister? In Amerika
geht das!"
Gernot hoch 2
Viktor Gernot gibt's auch zum Quadrat, nämlich als Videoprojektion,
wo er alias Schenk, Grasser, Klestil und Alexander im wahrsten Sinne des
Wortes ganz nach des anderen Gernots Pfeife tanzen. Gernot geizt also nicht
mit denen beim Publikum so beliebten Parodien und Imitationen. Außerdem
wird oft musiziert, viel gesungen, ein bisschen getanzt und so erhebt sich
Viktor Gernot selbst zum Aushängeschild der facettenreichen Freistilkunst.
Premierenbericht www.kabarett.at
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Viktor Gernot setzt
im Freistil zum Höhenflug an
Der in der Lebens-Mittel-Krise befindliche 38,5 Jährige Allrounder
Viktor Gernot startete seinen ganz persönlichen Höhenflug. Am
30. September war der Start seines ersten Soloprogramms "Freistil",
im Oktober folgt die DVD/VHS des Jubiläumsprogramms "Jenseits
- Eine Konsequenz" gemeinsam mit seinen Hektiker-Kollegen und im November
folgt die neue Live –CD gemeinsam mit seinen Best Friends sowie die "A
Jolly X-Mas"-Show im Wiener Simpl. Damit versucht der Unsubventionierte
(O-Zitat: "Es gibt keiner jemanden Geld, der einen ans Bein pinkelt")
Metro-Sexuelle (= ein Hetero, der ein Deo benutzt und sich regelmäßig
wäscht) gegen seine anonyme Melancholie (er ist Mitglied der Anonymen
Selbsthilfegruppe der Melancholiker) anzukämpfen.
Freistil ist nicht nur der Titel seines ersten Soloprogramms, sondern
auch eine zu ihm passende Berufsbezeichnung. Eine Bezeichnung für
einen wie ihn, der standhaft versucht, sich nicht "schubladisieren" zu
lassen. Und dies gelingt tatsächlich nicht. Denn in seiner Show zieht
er alle Register seines Talents, wie Rollenspiele (grandiose Satelittenschaltungen
zum Gagen-bewussten Prof. Otto Schenk, zum Prinz der Beliebigkeit Karl
Heinz Grasser, zum ersten Mann im Staat Dr. Thomas Klestil, der sich Joe
Zawinul als Nachfolger wünscht und zu Peter Alexander, der ihn für
seinen legitimen Sohn hält), Parodie, Imitation, Musik und Tanz -
obwohl mit dem Tanzen (Stepnummer a la Fred Astaire) "happert's" noch
ein wenig.
Musikalisch mit dabei Fendrich, Ambros, sein Great American Songbook
und der aktuelle Zilk-Blues zur Heeressanierung. In der "Nacht des
Outing" philosophiert er über Fasten- und Schweige-Seminare in
einem griechischen Bergkloster ebenso wie über die Rache der Frauen
an den Männern bei der Geburt und vergleicht den Geburtsschmerz einer
Frau mit dem eigenhändigen Entfernen eines Nasenhaares des Mannes.
Er beweist, dass Altern kein Verdienst ist, parodiert das Zungen "R" und
die Konsonantenverweigerer dieses Landes - allen voran Schneckerl Prohaska
("Damenklo-Schwert, Pan-Aroma, Syphilis-Arbeit") und gibt seine
sexuelle Schüchternheit zu.
Alles in allem ist der Sänger, Schauspieler, Musiker, Unterhalter,
Erscheiner, Kabarettist, Autor, hoher Jazz- und Musicalbariton mit sicherer
Tiefe und rudimentärem Tanzverständnis, Bühnen-, Film- und
Fernsehdarsteller (zitiert aus seiner Künstlerbiographie) einfach
genial. Der schon im Schwimm-Juniorennationalteam erfolgreiche wird eines
sicher nicht: so schnell baden gehen.
Mostviertel Basar, 07.10.2003. Dieter Rath.
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Der Entertainer CITY, 26.09.2003. Peter Blau.
Doppel-Debüt: Beruflich versucht sich Viktor Gernot als Solo-Kabarettist,
privat als Ehemann.
Vor 14 Jahren beschloss ein Mühlviertler Musical- und Schauspielschüler
namens Gernot Jedlicka, seinen für einen Künstler vermeintlich
eher untauglichen Nachnamen abzulegen und sich hinkünftig Viktor Gernot
zu nennen. Ein Pseudonym, dem er seither alle Ehre macht: der Siegreiche.
Anfang der 90er feiert er als junger Kaiser Franz-Josef in dem Musical „Elisabeth" Erfolge.
Für die Verkörperung des „Lumiere" in „Die Schöne
und das Biest" wird er mit dem deutschen Musicalpreis, dem ,Image
Award 96', ausgezeichnet. Doch Musical-Star allein ist ihm schon bald zu
wenig. Gernot leistet sich eine Vielseitigkeit, die sich sehen lassen kann.
Für den ORF moderiert er Unterhaltungs-Shows („Sapperlot", „Alles
TV") und wirkt an Comedy-Sendungen mit („Die kranken Schwestern", „Wodka
Orange").Sein Faible für Komik und Kabarett führt ihn zunächst
in den Simpl und kurze Zeit später zu den Hektikern, deren Mitglied
er seit 1994 ist. Seine große Liebe zum Jazz lebt er als Sänger
der Band Viktor Gernot & bis best friends (vormals Animal House) aus,
die heuer ihr vierzehnjähriges zwangloses Bestehen feiert.
Und jetzt, mit 38, will er auch noch Solo-Kabarettist werden. Sein erstes
selbst gemachtes Programm heißt „Freistil" und ist ein
entsprechend interdisziplinärer Unterhaltungs-Mix aus Parodie, Rollenspiel
und Musik. Satirisch, ironisch, persönlich - und Erfolg versprechend.
Denn mit „Freistil" hat Gernot bereits vor über 20 Jahren
gute Erfahrungen gemacht. Damals wurde er österreichischer Hallenmeister
in der 4 x 200-Meter-Freistil-Staffel.
In der Aufzählung Ihrer Berufsbezeichnungen auf Ihrer Homepage steht
neben Sänger, Schauspieler, Musical-Darsteller, Moderator usw.
auch „Erscheiner". Was genau hat es denn damit auf sich?
„
Der Begriff ist aus der Not heraus entstanden und natürlich selbstironischgemeint.
Es gibt aber tatsächlich Veranstaltungs-Organisatoren, die mich dafür
engagieren, schlicht da zu sein. Um ein Argument für die Seitenblicke-Redaktion
zu haben. Damit das Fernsehen anrückt und über den Event berichtet.
Es gibt viele Kollegen, die sich das auch gut bezahlen lassen. Sogar bei
Benefiz-Veranstaltungen! Das mache ich definitiv nicht."
Sie nehmen also höchstens gerne und aus Überzeugung an Promi-Gokart-Rennen
am Wörthersee teil?
„
Ich bin vor einem Monat tatsächlich das erste Mal bei einem Promi-Gokart-Rennen
mitgefahren. Und ich mache das bestimmt nie wieder. Ich habe schon als
Kind bei Jahrmärkten im Autodrom Heulkrämpfe bekommen, weil
ich das so schrecklich fand. Und, wie ich merken konnte, hat sich daran
nichts geändert. Motorsport zählt definitiv zu den doofsten Dingen,
die es gibt. Ich spiele gerne Fußball und Tennis. Und das ist ja
wirklich leiwand, wenn man dann bei diesen so genannten ,Pro-Am-Turnieren',
wo so Wappler wie ich gegen Profis antreten dürfen, gegen die Babsi
Schett oder den Peter Stöger spielt. Bei so was sage ich gern zu,
weil es Spaß macht."
Berühmt geworden sind Sie Anfang der 90er als Musical-Darsteller...
„
... Musical-Darsteller mit Tanzverpflichtung', um genau zu sein. So steht
das in den Verträgen dieser städtischen und staatlichen Bühnen.
Weil sonst könnte ich für jede tänzelnde Schrittfolge eine
Zulage kassieren. Ein Erfolg der Gewerkschaft."
Ihre Musical-Karriere haben Sie aber in letzter Zeit ziemlich vernachlässigt?
„
Stimmt. Außer bei diesen gelegentlichen konzertanten Aufführungen
mit Uwe (Kröger, Anm.), Pia (Douwes) und Marika (Lichter) habe ich
mit dem Genre nicht mehr viel zu tun. Weil ich des Musicals müde bin.
Ich habe neun Saisonen lang über 2.000 Vorstellungen en suite gespielt.
Am Anfang war da natürlich eine große Faszination da. Weil ich
das studiert habe und weil ich genau das machen wollte. Und vom Prinzip
her ist das ja auch eine sehr klasse Sache, weil du mit vielen hervorragenden
Profis auf und hinter der Bühne unter den besten Bedingungen zusammenarbeiten
kannst. Du hast immerein volles Haus, eine enthusiasmierte Fangemeinde
..."
... um nicht „kreischende Teenies" zusagen ...
„
Ganz recht. Und es ist ja wirklich toll, eine Weltpremiere zu erarbeiten,
wie das bei Elisabeth oder Freudiana der Fall war. Aber die immense Sorgfalt
vor der Premiere weicht dann immer bald einer professionellen Routine.
Und im Lauf dieser neun Jahre bin ich dann des Musicals etwas überdrüssig
geworden. Die meisten Stücke und Inszenierungen sind mir schlicht
zu albern. Die Möglichkeiten, in wirklich guten Musicals interessante
Rollen zu spielen, sind begrenzt.“
Ist es nicht vielleicht auch ein Prinzip von Ihnen, immer dann, wenn
die Gefahr besteht, endgültig festgelegt zu werden, bei nächster
Gelegenheit von der Autobahn abzufahren? Sie sind ja auch in der Fernseh-Unterhaltung
eine Zeit lang als legitimer Nachfolger von Peter Alexander für die
Samstag-Hauptabendshow gehandelt worden.
„
(lacht schallend) Das ist aber dann eh schön schief gegangen, oder?
- Fernsehen ist ja wirklich gefährlich. Wegen der eigenen Eitelkeit.
Man weiß, da sehen einen heute Abend 600.000 Leute. Und zwar bildschirmfüllend.
Und dann schreiben die Kronen Zeitung, Die ganze Woche und TV-Media über
dich. Zwar nicht das, was du ihnen erzählt hast, und den Namen schreiben
sie auch falsch, aber Wurscht: Du wirst Thema. Leute auf der Straße
reden dich an und sagen ,Heast Wickerl, a schener Schaß, densd gestan
im Fernsehen gmocht host' und ähnliches."
Die Popularitätsfalle?
„
Ja. Und an der eigenen Vorgabe, es immer besser machen zu wollen – besser
als beim letzten Mal, besser als die anderen - scheitert man oft. An den
Umständen. An sich selbst. Und an den vielen Kräften, die bei
so einem Fernseh-Projekt zusammenwirken: Autoren, Redakteure, Abteilungsleiter
etc. Bei dieser Sommer-Sendung Alles TV (2000) hat mich die damalige Intendantin
Frau Zechner vor der ersten Show beiseite genommen und gesagt: ,Trau
dich was! Sei jung und sei frech! Aber bitte mach keine Scherze über
die Kirche, Politik, Frauen, Minderheiten, Alkohol und und und.' Ich hab
dann gemeint: ,Kürzen wir das ab. Worüber darf ich scherzen?'
Dementsprechend jung, frech und innovativ hat das Ganze dann auch ausgesehen."
Werden Sie diese beruflichen Erlebnisse auch in „Freistil" einbauen?
„
Ja. Aber sehr selbstkritisch. Weil ich selber schuld war. Ich habe mich
nicht ordentlich genug auf die Hinterbeine gestellt. Wenn man da kritiklos
von Fremden vorformulierte Texte vorträgt, die Klamotten anzieht,
die sie einem geben, und sich Lidstrich und Schwuchtel-Föhnwelle verpassen
lässt, dann darf man sich nachher nicht wundern und beschweren, dass
das Ergebnis ein höchst Unerfreuliches ist. Ich war da oft viel zu
inkonsequent."
So haben Sie dann auch diese Autobahn wieder verlassen.
„
Ja. Ich war eigentlich immer auf Schubladenflucht. Einzige Ausnahme: Mit
meiner Band würde ich mich festnageln lassen. Ich würde mich
beruflich wahrscheinlich sehr gerne ganz auf die Interpretation eigener
Versionen von Jazz-Standards beschränken. Wenn ich davon leben könnte.
Und so mir denn mein Soloprogramm gelingt, würde ich mich auch
gerne als Kabarettist festmachen lassen. Ich würde mich einfach gerne
viel weniger auf Jobs verlassen müssen, bei denen ich nicht der Alleinverantwortliche
bin."
Daher also Solo-Kabarett in Eigenregie. Für „Freistil" werden
Sie die ganze Bandbreite Ihres Könnens ballen? Also mit Komik, Gesang,
Schauspiel, Parodie, Conference, Tanz ...?
„
Ich werde kurz körperlich andeuten, warum ich Tanz nicht so klass
finde (lacht), aber alles andere kommt vor. Und ich habe eine Projektion
auf der Bühne, mithilfe derer ich mit mir Dialoge führen kann.
Dazu habe ich vier Parodien vorproduziert. Ich werde also quasi via Satellitenschaltung
mit Otto Schenk, Karl-Heinz Grasser und dem Bundespräsidenten sprechen.
Und ich nehme Abschied von meiner Peter-Alexander-Parodie. Ich verspreche
hiermit mir und dem p.t. Publikum, dass ich dem lieben Peter nach diesem
Programm endlich eine Ruh gebe."
Jörg Haider indes kommt definitiv nicht vor, steht im Pressetext.
„
Ja. Einerseits ist er nicht so wichtig. Und vor allem hat er schon viel
zu viel Aufmerksamkeit bekommen. Sein Hype wäre nie möglich gewesen,
wenn nicht immer alle Zeitungen auf seine Provokationen hineingefallen
wären. Oder sich vorsätzlich draufgeschmissen hätten, weil
er Quote bringt. Ich möchte ihm jedenfalls in meinem Programm
in keiner Weise ein Forum bieten."
Worum geht es dann? Sie wären doch zum Beispiel schon langsam im
besten Alter für eine kabarettistisch fruchtbare Midlife-Crisis.
„
Die habe ich schon hinter mir. Das war vor ein paar Jahren. Ich war ja
immer sehr fleißig. Und dann habe ich irgendwann angefangen, darüber
nachzudenken, was von mir bleibt, wenn mein Beruf nicht da ist. Erschreckend
wenig, bin ich draufgekommen. Da bin ich dann sehr traurig geworden, habe
eine Gesprächstherapie begonnen und dann beruflich viel zurückgeschraubt."
Woraufhin Sie in News prompt aus den Top-1000-Österreichern rausgefallen
sind.
„
(lacht) Ja, das hat am meisten weh getan. Jedenfalls, diese Phase reflektiere
ich auch im Programm. Mit der nötigen Selbstironie natürlich:
diese Melancholie, diese Panik, dieses Sich-in-Frage-Stellen ..."
Was ist denn in Ihrem Leben dann in den Vordergrund getreten?
„
Ganz einfach: das, was man Privatleben nennt. Das qualitätsvolle Verbringen
von Zeit mit Freunden, mit Dingen, die mir Spaßmachen und nicht mit
dem Beruf zusammenhängen. Ich nehme mir jetzt auch seit dieser Lebens-Mittel-Krise,
wie ich sie nenne, ganz offensiv Zeit für Tennis und Fußball.
Ich betrachte mich dadurch als etwas wertvolleren Menschen. Und ich bin
viel ausgeglichener, als ich das noch vor ein paar Jahren war. Ich war
viel zu lang freiwillig in der Mühle. Das war bestimmt auch eine Flucht
vor dem eigentlichen Leben."
Dementsprechend kümmern Sie sich in nächster Zeit auch beruflich
vermehrt um Herzensangelegenheiten, wie ich den Spielplänen entnehme.
„
Absolut. Jetzt spiele ich mal mein Solo, dann gibt es im Simpl wieder einige
Weihnachts-Konzerte mit meiner Band und im Februar geht es dann auf Hochzeitsreise."
Frisch verheiratet. Herzlichen Glückwunsch! Schon wieder eine
ganz neue Rolle...
„
Absolut. Die ernsteste Rolle meines bisherigen Lebens (lacht). Aber auch
die mit Abstand erfreulichste."
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